Sie schneiden sich ein Stück seiner Jugend ab. Verlegen sein Erwachsenwerden ein Jahr nach vorne, weil es besser in ihren Zeitplan passt. Ihren Friedensplan in kriegerischen Zeiten. Das ist also ihre Kompromisslosigkeit. Auf Kosten ihres Sohnes. Seiner Zukunft.
Aber ihn werden sie nicht kriegen. Dieser Preis ist definitiv zu hoch.
„Die verstecken Militär unter Kinderzimmern?“
„So siehts aus.“ Jo schnaubte durch die Nase. „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.“
Nein, dachte Maren. Das erste Opfer ist die Scheinheiligkeit. Der Krieg reißt sie herunter, mit breitem Grinsen zieht er den Vorhang weg, offenbart die kläglichen Reste des Wertesystems, das abgenagte Skelett der Moral, das gebrochene Rückgrat der Gesellschaft. Das vielbeschworene höhere Gut ist nichts anderes als das eigene nackte Überleben. Der Staat ist der Leviathan, er frisst seine Bürger, wenn er droht zu verhungern. Dann ist ein Menschenleben nicht mehr viel wert. Es wird zum Kollateralschaden. Sie dagegen hat nichts anderes als das, dieses eine Leben, es ist ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunft. Wenn dieses Leben endet, hört sie auf zu existieren. Sie weiß auch schon wie, hat diesen Entschluss gefasst, sobald sie ihren Sohn zum ersten Mal in den Armen gehalten hat. Sein Leben ist mit ihrem verknüpft und deshalb muss sie alles tun, um ihn zu schützen.
Abwehrkräfte (AT)
(Romanprojekt)
Deutschland, 2032: Die Front verläuft kurz vor der deutsch-polnischen Grenze und rückt näher. NATO und EU sind zerbrochen, das Land mobilisiert die Bundeswehr. Verlegt das Abitur von Marens Sohn Finn ein Jahr nach vorne. Als Finn sich daraufhin freiwillig zum Militär melden will, greift Maren zum Äußersten – sie macht ihn absichtlich und ohne sein Wissen krank, um ihn vor dem Krieg zu retten.