Plot Snack
Fast jeden Abend und manchmal auch zwischendurch ertappe ich mich dabei, wie ich Plots snacke. Ich scrolle durch meinen Insta-Feed und bleibe hängen bei Filmschnipseln, gerne übermäßig emotional, gerne skurril. Ganz besonders verlockend sind Szenen, in denen es um mysteriöse Krankheiten geht. Und gleichzeitig sind die meistens frustrierend. Denn natürlich reichen mir die 15 bis 20 Sekunden nicht. Ich will wissen, wie es weitergeht. Wie es ausgeht. Will das Rätsel lösen. Den ganzen Plot kennen. Aber eben nicht den ganzen Film oder die gesamte Serie schauen. Also gehe ich in die Caption, suche nach einer Inhaltsangabe oder dem Titel. Um dann danach zu googlen und dort die Inhaltsangabe zu finden. Die mysteriösen Krankheitsfälle stammen meistens aus Arztserien. Und nach deren Handlung googlet man sich die Finger wund. Aber ich probiere es dennoch immer. Manchmal habe ich Glück und finde heraus, ob die Frau, die gemeinsam mit einem Kollegen von einem Stahlrohr durchbohrt wurde, die OP überlebt und danach wieder gehen kann. Oder warum sich die Haut des Mädchens plötzlich ablöste und darunter Reptilienschuppen zum Vorschein kamen. Oder wie man den Tierpfleger von der Anakonda befreien konnte – und wie schnell, denn er musste die Luft anhalten, damit sie sich nicht noch fester zuzieht. Von diesen Plots snacke ich dann einen nach dem anderen, wie der Griff in die Erdnussdose. Eigentlich zu viel, zu salzig, zu fettig und zu verdichtet.